Von der Römerzeit bis zur Gegenwart - die über 2000jährige Geschichte Kastels.

Museum Castellum

Die Fundamente des einst größten römischen Ehrenbogen nördlich der Alpen.

Röm. Ehrenbogen

Der Beruf des Flößers wurde in Kastel über 400 Jahre lang ausgeübt.

Flößerzimmer

Der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Berthold von Henneberg ließ 1497 den Wartturm erbauen.

Erbenheimer Warte

Ins Museum Castellum waren wieder zahlreiche Zuhörer gekommen, um den mundartlich vorgetragenen Geschichten und Anekdoten der Autorin zu lauschen, die sie wieder ausgezeichnet im heimischen Dialekt darzubieten wußte.
 
mundartlesung 01(PMU) Heiteres und Nachdenkliches brachte sie mit insgesamt 15 Geschichten zum Besten. Vom Marie‘che das immer hustete, und somit aus der Riege der verheiratbaren Kandidatinnen für einen Bauernsohn nicht berücksichtigt werden konnte. Es Marie‘che fand dank eines „Heiratsvermittlers“, eigentlich Pferdehändler von Beruf, doch noch zu ihrem Eheglück, der sie mit einem Ginsheimer Müller zusammenbrachte. Welch glückliche Fügung. Ging doch aus dieser Ehe als erstes Kind der Vater der Vorleserin hervor. Und daß der Husten doch nicht so schlimm gewesen sein konnte, beweist die Tatsache, daß die Großmutter ein stattliches Alter erreichte...
 
Ein vermeintliches Rippchen spielte in der nächsten Geschichte die Hauptrolle als in einem Mainzer Kino, in welchem einerseits anspruchsvolle Filme aber im zweiten Saal auch schlüpfrige Darbietungen gezeigt wurde. Die Besucherin wurde beim Kauf der Karten Zeuge, wie ein Mann an die Kasse stürmte und „E‘ Rippche – abber schnell“ verlangte, worauf ihm der Kassierer einen Beutel mit einem nicht identifizierbaren Gegenstand überreichte. Was für ein Rippchen das gewesen sein konnte, wurde aber nie ergründet.
 
Radfahren und Badevergnügen waren in der Jugend der Vorleserin die bevorzugten Freizeitbeschäftigungen, vor allem im Sommer. Auch das Schwimmen lernen gehörte dazu, mit Hilfe von luftgefüllten Wurstdosen, die man um den Oberkörper trug. So begab man sich in die Badeanstalt am Rhein, um an einem „Wassergewöhnung-Einführungskurs“ teilzunehmen, bei dem man buchstäblich an der Angel hing. Doch bald konnte man schwimmen, und so ging es mit der Fähre auf die Nonnenau, wo man sich im Rhein vergnügte. Natürlich nicht ohne Warnung vor der Gefahr durch Strudel. Die Mutigen schwammen bis zu den Schleppkähnen und ließen sich stromaufwärts mitnehmen, um sich dann wieder im Rhein bis zur Südspitze der Au treiben zu lassen. Die modischen Aspekte der selbstgestrickten Badeanzüge brachten vor allem die älteren der Zuhörer zum Schmunzeln.
 
Gertraud Lindemann blieb bei der Mode und dem früheren Gebrauch der Werktags- und Sonntagsbekleidung. Im Alltagskleid konnte man rumtoben, und mancher Fleck regte niemanden auf. Bis zu 14 Tagen trug man das Kleidungsstück, Ausnahme aber war der Sonntag. Da kam das Sonntagskleid zum Vorschein, und man durfte weder rennen, noch hinfallen, oder sich sonst wie beschmutzen. Die ältere Schwester diente immer als Vorbild, was sie oft genug zu hören bekam. Als es einmal zu einer größeren Verunreinigung des besagten Kleides kam, durfte auch am Sonntag das Werktagskleid getragen werden. Welch ein Glück für ein herumtollendes Kind.
 
mundartlesung 02Auch die Kleidungsstücke früherer Zeiten waren ein Thema der Vorlesung. Die Mutter riet immer zu einem „warmen Hautjäckche“, das vor Verkühlungen schützen sollte. Auch viel Selbstgestricktes wurde gefertigt, z. B. wurde aus gestrickten Unterhosen unter Aufwand größerer Bügel- und Wollwickelaktionen wieder neue Kleidungsstücke geschaffen, nicht immer zur Freude der damit Beglückten. Besonders die langen Strümpfe im Winter empfand man als rauh und unangenehm. Aber da half kein Jammern. Sie schützten immerhin etwas vor der Kälte. Und in den sogenannten „schlechten Zeiten“ konnte man froh sein, etwas Wärmendes zum Anziehen zu haben. Auch empfand man die Jahreszeiten ausgeprägter als heute. Die Winter waren kalt und voller Schnee, der einzig ständig warme Raum im Haus war die Küche. Hier wurde gekocht, gegessen, gelebt, und am Abend wurden aus dem Wasserschiff des Kohleherdes die Wärmflaschen gefüllt, die dann die Betten wärmten. Über Nacht fror der Rauhreif an den Fenstern, und man mußte am Morgen erst mit dem Atem die Scheiben freipusten, um die Wetterlage draußen sehen zu können.
 
Doch selbst in diesen Zeiten wurde gefeiert, besonders die Fassenacht und an Kerb. Für zwei Fastnachtskostüme bezahlte man in Naturalien, an Kerb wurde mit einfachsten Zutaten Kuchen gebacken. Zu den Sommerfreuden gehörten außer den vorgenannten Freizeitvergnügen auch das Sammeln von Beeren und im Herbst von Kastanien. Die damalige Küche war ebenfalls den Jahreszeiten angepaßt. So kam man auch mit dem Wenigen was einem zur Verfügung stand zurecht.
 
Weitere Geschichten beschrieben das Leben in der Familie, Erlebnisse beim Erwachsenwerden und dem Zusammenhalt der Familie. Die Menschenkenntnisse der Mama und die Wirksamkeit der Erziehungsmethoden in der Schulzeit bis ins fortgeschrittene Alter hinein. Dabei galt die Devise „gelernt ist gelernt“. Gertraud Lindemann beschloß den Abend mit einem Abenteuer in London, als sie mit ihrer Schwester den Salon des berühmten Friseurs Vidal Sassoon besuchte. Auf die Frage nach ihrem Beruf antwortete sie stolz: „Teacher!“ (Lehrer), während ihre Schwester sich als „Housewife“ vorstellte. Nachdem beide eine friseurentechnische Erneuerung erlebt hatten, zahlten sie ihre Rechnung. Die Lehrerin mußte 20 Pfund berappen, die Hausfrau dagegen bekam ihr neues Styling umsonst.
 
Fazit: Wieder einmal war es der Mundartautorin gelungen mit ihren selbst verfaßten Geschichten ein Spiegelbild aus früheren Zeiten zu vermitteln. Hierbei erwähnte sie auch schwere Stunden vom Abschiednehmen von lieben Angehörigen, dabei immer die liebenswerten Seiten betonend. Und daß die Familie ein wichtiger Baustein in ihrem Leben ist, zeigt die Beschreibungen ihrer Tätigkeiten als „Berufsoma“. Wobei sie als positiven Nebeneffekt ihre wiederentdeckte Nähleidenschaft schilderte. Ein rundum gelungener Abend, den die gut vier Dutzend Zuhörer mit starkem Beifall bestätigten. Der erste Vorsitzende der GHK, Karl-Heinz Kues, dankte der Autorin mit dem Versprechen, sie gerne wieder zu einer Vorlesung einzuladen.
 
Fotos: Stefan Grundel

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