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kastel wappen

Im Kastel gab es bis 1914 eine kleine selbstständige jüdische Gemeinde, deren Anfänge vermutlich im 15. Jahrhundert liegen; 1432 ist erstmals eine jüdische Familie genannt, zwei Jahrzehnte später waren es drei bzw. sogar fünf, die u.a. vom Geld- und Pfandgeschäft lebten. Die Familien standen unter dem Schutz des Mainzer Erzbischofs. Nach zwischenzeitlicher Vertreibung aus dem Erzstift (um 1470) zogen im 17. Jahrhundert erneut einige jüdische Familien zu, die gemeinsam mit denen aus Kostheim eine Gemeinde bildeten.

Seit 1834 verfügte die damals über ca. 60 Personen zählende Gemeinde über ein eigenes Synagogengebäude in der Frühlingsstraße. Bis ca. 1900 wurde das Gebäude zu regelmässigen Gottesdiensten genutzt. Neben der Synagoge gehörten zu den gemeindlichen Einrichtungen eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Seit 1814 hatte die Gemeinde einen eigenen Lehrer und Kantor (Vorsänger) angestellt. Verstorbene wurden auf dem Friedhof in Mainz beerdigt.

Nach der Jahrhundertwende konnten kaum noch regelmäßige Gottesdienste abgehalten, da die notwendige Zehnzahl jüdischer Männer nicht mehr zusammengebracht werden konnte. 1914 wurde die Kultusgemeinde schließlich aufgelöst, die noch in Kastel lebenden jüdischen Einwohner der Kultusgemeinde Mainz zugewiesen und die wertvolle Ritualien teilweise in ein damals in Mainz im Aufbau befindliches „Museum für jüdische Altertümer“ gebracht.

Die wenigen am Ort lebenden jüdischen Familien waren von 1941 bis zu ihrer Deportation 1942 in drei sog. „Judenhäuser“ in der Eleonorenstraße einquartiert. Seit 2009 weisen sogenannte „Stolpersteine“ auf die Wohnsitze ehemaliger jüdischer Bewohner hin; an sechs Standorten sind insgesamt zwölf Steine verlegt.

synagoge

Auf dem 40.000 Quadratmeter großen Eckgrundstück Wiesbadener Strasse / Biebricher Strasse, wo das Wohnviertel An der Helling entstand, befand sich von 1872 bis 1975 das ehemalige Betriebsgelände der Schiffswerft und Maschinenfabrik Christof Ruthof eine der Wiegen des deutschen Flussschiffbaus. Hier wurde einst ein Stück Industriegeschichte geschrieben.
 
Das schon früh auf europäischer  Ebene tätige Unternehmen zählte zu den Mitbegründern des Maschinenzeitalters im 19. Jahrhundert. Hier fand eine beträchtliche Zahl von Kasteler Bürgern Arbeit und Brot. Die Werft beschäftigte sich zunächst mit dem Bau von Holzschiffen, um Erfahrungen im Schiffbau zu sammeln. Der Durchbruch gelang 1884 mit dem Bau von eisernen Schiffen. Es begann die industrielle Fertigung in großem Umfang.
 
1892/93 wurde in Regensburg die Werft II gegründet, und 1916 die Werft III. Im Jahre 1929 wurde in Mainz bereits das 1.000 Schiff getauft, der Schnelldampfer „Mainz“, der heute als Museumsschiff am Mannheimer Neckarufer liegt. Um sich der internationalen Auftragslage zu stellen, wurde die Kasteler Werft mit drei Querhellingen ausgestattet und für die Serienfertigung kleiner Schiffe zusätzlich mit einer Längshelling.

Insgesamt wurden auf den drei  Werften ca. 1.500 Schiffe und in Kastel mehr als 500 Dampfmaschinen gebaut, bis das Unternehmen im Rahmen der wirtschaftlichen Rezession 1975 Konkurs anmelden musste und den Betrieb  einstellte.
Im Jahr 1237 wird Kastel erstmals als Stadt, oppidium, genannt. Der Ort war näher an den Rhein gerückt und war mit Mauern umgeben.
 
Bereits 1257 wird urkundlich in Kastel ein Hofgut des Deutschen Ordens genannt, das aber 1662 wieder aufgelöst wurde. Es befand sich zwischen der Marktstraße, heute Mainzer Straße, und der Kronengasse. Dieses war mit vielen Äckern dem Orden von einem Heinrich Tanzfuß geschenkt worden. Zu seinen Lebzeiten durfte der Schenkende gegen eine Abgabe von 100 Maltern Korn, 25 Maltern Weizen und einem Pfund Wachs das Anwesen bewirtschaften.
 
hofgut deutsch orden