Kaiserbrücke

Die »Rheinbrücke Mainz-Nord«, so der offizielle Name, ist eine zweigleisige Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Kastel und Mainz. Der Widerstand der Mainzer Fortifikationsbehörden verhinderte jahrzehntelang ihren Bau. Nachdem sich im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 die Bahnhofsanlagen in Mainz und die Rheinbrücke zwischen Gustavsburg und Mainz als Nadelöhre erwiesen hatten, wurde von militärischer Seite, auch im Zusammenhang mit strategischen Überlegungen zum Ausbau leistungsfähiger Bahnverbindungen zwischen dem Inneren des Reiches und Lothringen (»Schlieffen-Plan«), die Forderung nach einer zweiten Rheinbrücke lauter. An der Eröffnung am 01.05.1904 nahmen Kaiser Wilhelm II. und Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein teil.

Mit fünf gewölbten Stromüberbauten, die mit Türmen militärisch gesichert waren, erfolgte die Querung des Stromes. Architekt war Franz Schwechten (1841–1924), auf den u. a. auch die Eisenbahnbrücken über den Rhein in Köln zurückgehen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs (17./18.03.1945) sprengte die Wehrmacht die Kaiserbrücke. Der Wiederaufbau verzögerte sich, da der Rhein hier die Grenze zwischen der amerikanischen und französischen Besatzungszone bildete. Erst am 17.05.1955 konnte die neue Rheinbrücke dem Verkehr übergeben werden. Die Stromüberbauten, die als Fachwerk-Balkenträger konzipiert wurden, unterscheiden sich in ihrer geradlinigen Konstruktion wesentlich von den gewölbten Brückenelementen der ursprünglichen Anlage. Eine Gedenktafel am Mainzer Brückenkopf erinnert an den Ingenieur Gottwalt Schaper (1873–1942).

Von den ursprünglichen Brückentürmen sind nur noch Reste erhalten. Am Fundament auf der rechtsrheinischen Seite hat eine steinerne Gedenktafel zur Eröffnung der Brücke überdauert. Sowohl die Kaiserbrücke von 1904 als auch die erneuerte Brücke von 1955 sind technisch eng mit den Eisenbahn-Rheinbrücken bei Worms von 1900 und 1960 verwandt.